23. Fläschchen: Brauerei Härle: Lager hell

Die wohl schönste Adresse einer Brauerei: "Am Hopfengarten" in Leutkirch:

Herkunft:

Vier der dreizehn Härle Kinder aus Kirchdorf an der Iller lernten im neunzehnten Jahrhundert das Brauen und haben anschließen unabhängig voneinander im Umland Brauereien betrieben.
Übrig davon ist heute noch die Härle - Brauerei in Leutkirch, die jährlich 42000 hl Bier produziert und viel Wert auf regionale Produkte in Bio- Qualität legt.

Andere Bewertungen:

 

Artig und eigenartig - doch es schmeckt! 

Das Lager Hell von Clemens Härle kommt mit 4,7 % vol. Alkohol daher - klimaneutral in Bio-Qualität mit Bio-Gerstenmalz und Bio-Hopfen aus Tettnang. Mild, süffig und unfiltriert soll es sein. Schau'n wir mal!

Strohgolden mit opaler Trübung steht es mitsamt weißer Schaumpracht (stabil, üppig cremig und feinporig) und einer sehr tatkräftigen Karbonisierung im Glas. Es sprudelt wie spritziges Mineralwasser. Ein durchaus schöner, einladender Ersteindruck...

Zurückhaltend mit nussigen Malz- und Karamellnoten zeigt sich der milde Duft. Da auch etwas (grasige Hopfen-)Würze und nicht nur die stilprägende Süße erfassbar ist, werte ich die olfaktorische Seite als gelungen. Es duftet auch schön nach Heu und frisch geschrotetem Gerstenmalz.

Leicht mineralisch wird der erste Schluck wahrgenommen. Malz und zurückhaltende Süße bestimmen das Bild, jedoch macht sich auch direkt schon zu Beginn ein grasiger, feinherber Hopfen bemerkbar. Die optisch sehr auffällige Kohlensäure sorgt - gut eingebunden - für ein dezentes und gewiss nicht zu lebhaftes Prickeln. Die Fruchtnoten tendieren in Richtung Früchtetee und trockene Orange. Früchtetee, ja! Ich kann mich an kein Bier erinnern, welches ähnlich geschmeckt hat. Der Tettnanger Bio-Hopfen macht einen guten Job und das milde Malz unterstützt die erwünschte Süffigkeit. Der Körper fällt schlank aus, aber das war auch nicht anders zu erwarten. Geschmacklich bleibt die Hefe unauffällig, doch es ist zu vermuten, dass die fehlende Filtration dem Hellen richtig gut tut. Mild, aber dennoch geschmackvoll. Mit feinen Hopfennoten, moderater Säure und geringer Restsüße geht es in den feinherben sowie recht langen Abgang.

Ich kann nicht klagen, das Lager Hell der Brauerei Clemens Härle Leutkirch ist ein feines Bier. Für den schnellen Durst dürfte es trotz der hohen Süffigkeit aber wahrscheinlich nicht geeignet sein, da dafür die Aromatik zu fein ausgebildet ist und daraus wohl nur ein schaler, schwacher Eindruck resultieren dürfte. Den Früchtetee-Kompott habe ich nachwievor im Mund, bisweilen ergänzt um einen Hauch Vanille. Das Mineralische (nicht zu verwechseln mit metallischen Noten!) stelle ich ebenso unentwegt fest. Kann man mal kurz widerstehen und zögert mit dem nächsten Schluck, erfasst man im Nachgang Trebernoten - fernab der Massenware also. Das Lager Hell pfundet nicht mit einem Geschmacksfeuerwerk im Mund und ist dennoch ein feines Stück Braukunst.

 

Die Abstimmung:



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