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Nachdem sich der Autor des letztjährigen Textes zu den NeubRauern immer wieder anhören musste, was das doch für ein Märchen sei, haben wir dieses Jahr versucht uns etwas mehr an der Realität zu orientieren. Wahrscheinlich ist das aber wieder nur ein Narrativ. Besser können oder wollen wir das einfach nicht.
Da, wo früher Messer, Klingen und allerlei Schneidwerkzeug über den Tresen wanderten, wird
heute flüssiges Gold gezapft. Vier Kumpels haben die alte Messerschmiede in Ansbach gekapert und brauen dort unter dem Namen „NeubRauer“ Bier – und zwar mit derselben Leidenschaft, mit der andere Leute Briefmarken sammeln oder ihre Autos polieren. Nur halt sinnvoller.
Wie alles anfing? Zwei der Kumpels, Stefan und Hubert, bekamen einen Wochenend-Braukurs geschenkt. Kaum hatten sie den ersten Sud hinter sich gebracht, waren sie völlig angefixt – im besten Sinne. Leider fanden ihre Frauen die Idee nicht so toll, die heimische Küche jedes Wochenende in eine Hopfensauna zu verwandeln.
Also mieteten die Jungs kurzerhand die leerstehende Messerschmiede. Gert, eigentlich Weinmetier, wurde zum Lehrling. Und Jürgen schloss sich auch noch an – der bekam nämlich zum 50. eine Zapfanlage geschenkt, die er quasi direkt in die Brauerei einbrachte.
Der Start war legendär: 30 Liter Bier, eingeladen war der halbe Bekanntenkreis – und alles war schon weg, kurz nachdem die Tagesschau vorbei gewesen wäre. Danach musste man eben auf Wein umsteigen. Irgendwas muss ja rein.
Aus diesen Abenden wurde eine regelmäßige Sauf— äh, Fachtreff-Veranstaltung: Alle paar Wochen brauten die vier, und wenn die Fässer reif waren, kamen 15 bis 20 Leute, brachten Essen und ließen den Laden brummen.
Mit der Zeit wurde der ehemalige Messershop aufgehübscht: neue Farbe, zweiter Kessel, selbstgebaute Theke und – das Highlight – ein neues Klo. Corona-Langeweile + Vorschlag der Ehefrauen = ein güldener Prinzessinnenthron, der aussieht, als hätte Barbie einen Palast in der Unterwelt eröffnet.
Weil das Bier bei jedem Ausschank schneller weg war als Freibier auf einem Junggesellenabschied, taten sich die vier mit der Brauerei Fischer zusammen und produzierten endlich größere Mengen, zumindest beim Rauke.
Die vier halten sich ans Reinheitsgebot – aber drehen an den
Stellschrauben, die erlaubt sind. Jürgen liebt Weizen und Stout, Gert steht auf
Ingwer- und Brotbier (ja, Brotbier – der Mann kocht Zucker aus altem Gebäck
raus, wie ein Alchemist auf Kohlenhydraten). Stefan bastelt an Fruchtbier und
Ales, Hubert an Pils. Und jeder Versuch wird wie ein Schatz im großen
Brautagebuch notiert – sowohl die Glanzstücke als auch die Katastrophen.

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