Herkunft:
Die Brauerei Wagner in Merkendorf, einem Ortsteil von Memmelsdorf bei Bamberg, blickt auf eine lange Tradition seit ihrer Gründung im Jahr 1797 zurück und befindet sich seit 1919 im Familienbesitz. Mit einer Jahresproduktion von rund 17.000 Hektolitern zählt sie zu den handwerklich brauenden Betrieben in Oberfranken und ist für ihr breites Sortiment bekannt. Zur Brauerei gehört auch ein traditionelles Gasthaus mit Biergarten, das als beliebter Treffpunkt für Einheimische und Besucher dient.
Goldgelb, brav – und trotzdem ein Preisräuber: Das Merkendorfer Wagner Helle
Manchmal fragt man sich ja, warum plötzlich jede Brauerei meint, ein Helles brauen zu müssen. Wahrscheinlich weil’s die Welt verlangt, oder weil irgendein Marketingheini behauptet hat, das sei „State of the Art“. Und jetzt also auch die Merkendorfer Wagner-Brauerei: „Allenthalben muss es ein Helles geben“ – ja, mei. Aber gut, wenn sie’s schon machen, dann halt richtig.
Optisch gibt sich das Wagner-Helle so unauffällig wie ein frisch rasiertes Reh: goldgelb, klar, genau das, was ein Helles eben so macht. Und in der Nase? Getreide. Purem, ehrlichem Getreide. Keine Mango, kein Maracuja, kein in Einhorntränen geduschter Hopfenpellet. Einfach Getreide. Bodenständig. Punkt.
Der Antrunk? Auch keine Zaubershow. Ein Helles eben. Wobei – doch eine kleine Überraschung: Das Zeug perlt wie ein frisch verliebter Jungbrunnen. Grobperlig, lebendig, fast schon frech. Dazu eine milde Süße, ein angenehm leichter malziger Körper und eine Hopfennote, die frisch und spritzig um die Ecke kommt, ohne gleich so zu tun, als wäre sie die Wiedergeburt des Reinheitsgebots persönlich.
Und im Nachtrunk wird’s dann sogar richtig charmant: blumig-hopfig, ohne den Gaumen mit Bitterkeit zu erschlagen. Ein Helles, das weiß, wann es genug ist – und das, obwohl die Sorte per se zu den langweiligsten Bierstilen der Menschheitsgeschichte gehört. Ja, ich hab’s gesagt.
Aber jetzt kommt der Hammer: Das Ding hat beim „European Beer Star“ einfach mal die Goldmedaille in der Kategorie Helles weggeknallt. Gold! Unter den härtesten Bedingungen! In der Kategorie, in der die meisten Konkurrenten antreten! Da brüllt selbst der bescheidenste Franke ein leises „Bassd scho!“ Geschäftsführer Günther Wagner ist zurecht stolz – schließlich gewinnt man den härtesten Bierwettbewerb der Welt nicht mal eben zwischen Frühstück und Brotzeit. Und das ist nicht mal ihr erster Triumph: Acht Medaillen haben die schon vorher abgeräumt. Eine regionale Brauerei, die internationale Pokale sammelt wie andere Leute Kronkorken. Stark.
Fazit: Ja, ich gebe es zu: Ich hab gegrantelt. Ich hab gemault. „Noch ein Helles? Muss das sein?“ – Ja, offenbar muss es. Denn wenn selbst ein „langweiliger“ Bierstil in Merkendorf zur Goldmedaille vergoldet wird, dann könnte es schlimmer kommen. Trotzdem freue ich mich weiterhin auf das nächste Richard-Wagner-Dunkel, auf das Pils, und natürlich auf das herrlich anachronistische Ungespundete. Das Helle? Ja, war gut. Gold gut sogar. Aber nochmal? Mal sehen. Man muss ja nicht jeden Trend zweimal bedienen.


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