19. Fläschchen: Hetzelsdorf Weihnachtsbock

Herkunft:

Zuletzt vor 3 Jahren im Kalender ist die Brauerei Penning-Zeißler immer noch für die klassisch fränkischen Biere und saisonale Spezialitäten bekannt.
Die Gaststätte mit Biergarten ist wohl aktuell geschlossen.


Andere Bewertungen:

Hetzelsdorfer Bock 

Beim Hetzelsdorfer Bock merkt man gleich am Anfang: Der Schaum spielt hier die Rolle des introvertierten Nebencharakters. Relativ bedeutungslos, kaum im Bild, obwohl der Glaskrug sogar liebevoll vorgewärmt wurde – da hätte man sich fast ein klein wenig Dankbarkeit erwartet. Aber gut: Der Bock will offensichtlich, dass man sich auf das Wesentliche konzentriert.

Und das Wesentliche schimmert in einem schönen Kastanienbraun, durchzogen von kleinen Hefeschwebteilchen, die aussehen wie winzige Schneeflocken im Flüssigbernstein. In der Nase ist er eher schüchtern, aber nicht ohne Versprechung: ein schwacher Hauch Rumtopf, ganz klar mit Kirschdominanz. Keine Duftbombe, aber ein eleganter Wink, der sagt: „Nur Geduld, gleich geht’s los.“

Geschmack: Ein dunkelfruchtiges Best-of der Bockbierkunst

Der Antrunk ist wunderbar weich – richtig samtig. Und man merkt sofort: Das angewärmte Glas war keine Spinnerei, sondern ein Geschenk an den Bock. Kühlschrankkalt wäre er ein braver Schüler. So aber ist er ein Genie.

Die dunklen Fruchttöne sind intensiv, aber nicht klebrig-süß: Kirsche und Cassis grüßen wie zwei gut aufgelegte Solisten im Geschmacksorchester. Dahinter erhebt sich eine solide Malzbasis, vermutlich viel Röstmalz, das sich gemütlich aufklappt wie ein altes, schweres Klavier: Bitterschokolade, Walnuss, Schwarzbrot – alles da, alles harmonisch, alles schön rund.

Körper: voll, aber nicht schwer – wie ein gemütlicher Sessel mit guter Federung.
Rezenz: schwach gespundet – passend zum Stil, kein Blubbern, das vom Wesentlichen ablenkt.
Nachtrunk: Der Hopfen zeigt vorbildliche Manieren. Er versucht gar nicht erst, die Frucht- und Röstmalzparade zu übertönen, sondern setzt im Hintergrund eine merklich bittere, aber wunderbar eingebundene Schlussnote.

Kommentar: Ein Bock, der Tusch und Applaus verdient

Ein wunderbarer Bock, frei von lästiger Schwere, frei von Fehltönen. Stattdessen ein aromatisches Panorama, das fruchtig, malzig, röstig und einfach nur herrlich rund ist. Weihnachten vorbei? Fasching vorbei? Egal.

Tusch, Herr Kapellmeister!
Vivat und Bravo dem Braumeister!

Ein Bock, der auch ohne Festtag Feststimmung macht.


Die Abstimmung:


Prompt des Tages:
Erstelle ein Bild einer fränkischen Brauerei, die in einem kleinen Ort ihre Gastwirtschaft geschlossen hat und trotzdem noch hervorragende Biere braut. Auf dem Bild soll der Braumeister gerade das Weihnachts-Bockbier brauen!



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